IDEAL Magazin Ausgabe 11 Seite 49

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Inhalt

wertvolleS in Sand s ist ein morgendliches Ritual das Tausende von Frauen in Südindien seit Jahrhunderten pflegen Wie sie es traditionell schon von ihren Müttern und Großmüttern gelernt haben Vor ihrer Haustür bestreichen sie eine kleine Fläche mit Kuhdung bespren keln sie leicht mit Wasser nehmen zwischen Daumen und Zeigefinger eine Handvoll weißes oder bunt gefärbtes Reismehl lassen es langsam herunterrieseln und kreieren so aus zahlreich verbundenen Punkten und Linien symmetrische Muster und Ornamente Die schönen Kolams die dabei zum Vorschein kommen fördern nicht nur Kon zentration und Kontemplation Angeblich schützen sie die Hausbewohner und signalisieren Besuchern ein herzliches Willkommen Und wer als neugieriger Reisender wie die Künstlerin Anne Löper dabei auch noch beobachtet wie die zarten Zeichnungen im Laufe des Tages durch eine leichte Windböe einen ignoranten Rikschafahrer oder eine umherirrende Kuh zerstört werden ahnt dass sie auch noch eine andere symbolische Bedeutung haben Der Mensch wird sich der Vergänglichkeit der Dinge bewusst Und damit der Kostbarkeit des Augenblicks Natürlich schaffen die Frauen am nächsten Tag ein neues Kolam das im hekti schen Alltag ganz sicher das gleiche traurige Schicksal der Zerstörung teilt Auch bei der Performance Kunst von Anne Löper die durch diese indische Tradition inspiriert wurde entstehen Bilder aus feinem kleinkörnigem Material Bei ihr ist es Sand aus dem sie Bilder schafft Kurz vor Ende ihres Studiums an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst war Löper noch dringend auf der Suche nach einem Thema für ihre Diplomarbeit Sie empfand vor allem den Wunsch nach einer tieferen und wahrhaftigeren Art und Weise sich in Bildern auszudrücken In Indien stieß sie dann auf die Kolams und war elektrisiert Ich hatte schon immer eine Affinität dazu direkt mit den Händen zu malen sagt Anne Löper Irgendwann war dann für mich klar dass ich das mit Hilfe von Licht und Gegenlicht auf einen Tisch übertrage und legte los Sie holte sich zwei Holzböcke platzierte eine Glasplatte darauf einen Baustrahler darunter legte Transparentpapier dazu das das Licht diffuser verteilt Eine Kamera darüber filmt Anne Löpers Darbietung auf dem Glas um den gesamten Prozess dann mit Beamer für ein Publikum auf die große Leinwand zu übertragen Es war einfach meine Technik sagt die Künstlerin Von den Inderinnen habe ich ein Zweifingersystem gelernt mit denen sie ewig lange Linien zeichnen können Auch wie man den Sand wirft ist irgendwann nur eine Frage der Feinmotorik Gar nicht begeistert sondern enttäuscht reagierte ihr Professor als er von den körnigen Diplomplänen hörte Sein TEXT Dominik Maaßen FOTOS Oliver Reetz IHRE KUNST IST FÜR DEN AUGENBLICK UND NICHT FÜR DIE EWIGKEIT GEMACHT IHRE BILDER AUS SAND FLIESSEN ELEGANT INEINANDER ÜBER UM DANACH IM NIRGENDWO ZU VERSCHWINDEN IHREM BEGEISTERTEN PUBLIKUM ERZÄHLT DIE PERFORMANCE KÜNSTLERIN ANNE LÖPER SO NICHT NUR EMOTIONALE GESCHICHTEN SIE KONFRONTIERT ES AUCH MIT VERLOREN GEGANGENEN WERTEN WIE RUHE UND DER SCHÖNHEIT EINZIGARTIGER MOMENTE ANNE LÖPER KÜNSTLERIN E 49


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