IDEAL Magazin Ausgabe 11 Seite 25

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Inhalt

tronomen die seit Jahrzehnten ihre Läden in Sankt Pauli betreiben nur damit sie abends um 22 Uhr in ihr Bettchen gehen können und Nachtruhe haben Aber dann sollen sie nicht in den Red Light District ziehen Den gibt es eben nur einmal in Hamburg und darauf sollten wir stolz sein Diese Entwicklung stört in den letzten Jahren Aber richtig Aber du wohnst hier weiterhin Ich bin hier geboren und ziehe nicht weg In deiner beruflichen Vergangenheit warst du Türsteher Helfer bei einem Schmied Gründer eines Kulturvereins Auto und Schmuckverkäufer Kurier DJ und hast ein Café gebaut und betrieben Welcher dieser Jobs hat dir am meis ten Spaß gemacht Spaß und Erfüllung Sag ich dir ganz offen das was ich das letzte halbe Jahr gemacht habe Das mit Herz zu beglei ten hat mir wirklich was gegeben Jeden Abend zu sehen wie ich empfangen worden bin Wie die Jungs da lagen in ihren Bettchen Mich angeguckt haben Ah der Mann ist da jetzt kann ich pennen Das war ein gutes Gefühl Ich habe mich nie sozial engagiert Das kannte ich nicht Ich bin eben der Doppellöwe eiere durch die Gegend und habe lang den Egoisten raushängen lassen Muss man klar so sehen Okay um meine Familie und Freunde habe ich mich immer gekümmert das ist nicht der Punkt Aber ansonsten habe ich immer versucht mein eigenes Ding zu machen Ich habe mich auch nie irgendwelchen Cliquen wie den Hells Angels angeschlossen Wie war die Zusammenarbeit bei der Hilfe für die Lampe dusa Flüchtlinge Wir haben uns jeden Montag mit 80 Leuten in einer Frei willigenrunde getroffen Da sind mehrere Arbeitsgruppen entstanden und die Teilnehmer sind von Monat zu Monat mehr geworden Normalerweise nimmt die Anzahl bei Projekten ja eher ab Das hat mir meinen Glauben an diesen Stadtteil zurückgegeben Womit verdienst du zurzeit dein Geld Ich erstelle Sicherheitskonzepte für Veranstaltungen und bin tätig in der individuellen Beratung und Betreuung von Einzelpersonen zum Beispiel wenn jemand gestalkt wird Was ist dabei das Erfolgsrezept Übersicht Es gilt hier wie an der Tür dass du bereits versagt hast wenn du körperliche Gewalt einsetzt Zu meinen bis herigen Erfahrungen habe ich auch an einer Ausbildung teil genommen zur Fachkraft für Schutz und Sicherheit Auch dort lehrt man dich Du hast so gut zu arbeiten dass Gewalt das letzte Mittel ist Also immer Plan B Notfalls muss man natürlich auch körperlich in der Lage sein Menschen zu beschützen Im Vorhinein checke ich alle Eventualitäten ab Wo gibt es zum Beispiel sichere Orte und schnelle Verste cke Vorsicht ist dabei immer besser als Nachsicht Und wie gesagt alles was du gibst kommt wieder Eine ähnliche Strategie wie bei eurer Hilfe für die Flücht linge Ganz genau Wie sieht die Situation bei denen aktuell aus Die psychische Belastung ist extrem hoch wenn man jahre lang auf der Flucht ist Da gibt es natürlich Spannungen Einige wollen sich nun bei der Behörde melden ihre Flucht geschichte offenbaren und die Duldung beantragen Andere nicht Jeder in der Gruppe hat das Recht seine Zukunft selbst zu bestimmen Wichtig ist dass beide Seiten jedoch weiter an einem Strang ziehen weil sie zur Lampedusa Gruppe gehören Aber auch die Bevölkerung wird aufmerksamer weil das Thema durch die Medien gegangen und im Bewusstsein von vielen angekommen ist Der Kampf geht also weiter Denn von der Stadt ist bisher gar nichts passiert Die Container in denen die Flüchtlinge jetzt leben bezahlt die Kirche mit einem hohen finanziellen Aufwand Dort gibt es ein Notfalltelefon so dass sie jederzeit mit mir in Kontakt treten können Viele der Jungs haben meine Nummer Und wie sieht deine Zukunft aus Ich bleibe hier in Sankt Pauli Jetzt bin ich irgendwie schon wieder stolz auf diesen Stadtteil Unsere Aktion hat gezeigt dass es noch immer genug Leute gibt die sofort für mensch liches Miteinander und Antirassismus aufstehen Diese Solidarität und der Zusammenhalt waren klasse Und wenn ich noch gut Geld verdiene in den kommen den Jahren dann geh ich mit meinem Patensohn nach Afrika Wir haben schon rumgesponnen Ich nehme meine Schallplatten mit und wir eröffnen eine kleine Musikbar am Meer Warum nicht in Ghana alt werden Rund 80 Flüchtlinge haben sich laut Behörde inzwischen ge meldet und eine Duldung erhalten bis ihr Verfahren abgeschlos sen sein soll Etwa 50 Personen sind in Containern auf drei Hamburger Kirchenarealen untergebracht Für den 1 März 2014 planen die Flüchtlinge eine weitere Großdemo in Hamburg 25


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